Problemlos: Auch in diesem Jahr ist das QM beim WVIW vorbildlich

Qualitätsmanagement muss vorort gelebt werden: In der Kläranlage Bodenwerder
Genaueste Überprüfung des Betriebs-tagebuchs und aller Dokumentationen
Die regelmäßige TÜV-Prüfung aller Stecker und Leitungen gehört dazu
Prüfstoffe richtig gelagert? Verfallsdaten eingehalten?
Der Zustand der gesamten Anlage wird begutachtet

Zertifzierungsprozess ist für den Wasserverband seit 2002 normaler Alltag

Dielmissen. Gibt’s in der Industrie schon fast 30 Jahre und hängt gern dekorativ gerahmt an so mancher Bürowand: Die international anerkannte Qualitätsmanagementnorm EN ISO 9001 gilt für Wirtschaftsbetriebe, die auch jenseits der Grenzen etwas verkaufen wollen, schon lange als unverzichtbar. Aber auch andere, die nicht unmittelbar neue Aufträge mit der erfolgreich absolvierten Zertifizierungsprozedur ergattern können, profitieren durch die Erfüllung der 1987 eingeführten Norm. Beim Wasserverband Ithbörde/Weserbergland geht das jährlich sich wiederholende Zertifzierungs-Audit schon in die zwölfte Runde. Für Leitung und Mitarbeiter eine Prüfung auf Herz und Nieren, bei dem schon ein fehlendes Datenblatt oder eine nicht vorhandene Unterschrift für hochgezogene Augenbrauen bei den Prüfern sorgt.    

„Wenn man das nur einführt, um hinterher einen Zettel an der Wand hängen zu haben, dann funktioniert es nicht“, sagt Ilona Sarnowksi, die als Co-Zertifiziererin zusammen mit Günther Reimers nach Dielmissen gereist ist. „Wenn man das QM aber als Steuerungsinstrument sieht, dann bringt es was“. Reimers und Sarnowski gehören nicht zu den üblichen Verdächtigen, die solche Prüfungen in Industriebetrieben vornehmen. D.h. sie sind nicht vom TÜV oder von der DEKRA. Die DVGW Cert GmbH, die die beiden beauftragt hat, ist auf das spezielle Anforderungssystem für den Bereich Gas und Wasser spezialisiert, man kennt dort die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien in Bezug auf Ver- und Entsorgung ganz genau. Und auch die Prüfer selbst müssen sich zertifizieren lassen, die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAKKS) versteht bei der Überprüfung der zugelassenen Zertifizierer noch weniger Spaß, als die anschließend selber.

Untersucht werden Arbeitssicherheit und Datenschutz, die Struktur des Betriebes, seine komplette praktische Organisation, alle Arbeitsabläufe, Handlungsvorgaben und deren Einhaltungen. Also so ziemlich alles, was für Qualität und Sicherheit in einem Betrieb bürgen kann, selbstverständlich lückenlos und rechtssicher dokumentiert und von jedem Mitarbeiter auch entsprechend gelebt. Für den WVIW gilt in diesem Fall: Trinkwasser- und Abwasserverordnung einerseits sowie alle Arbeitschutzgesetze, Richtlinien und Vorgaben andererseits müssen nachvollziehbar in jedem Fall eingehalten werden. Falls nicht, wäre das eine Abweichung von der Norm und würde eine Zertifizierung verhindern. Kleinere Mängel, die schnell abstellbar sind, fallen unter die Kategorie Verbesserungspotential und kommen bei der Zertifizierung im Folgejahr wieder zur Sprache. Das gesamte Audit ist ein einen kompletten Arbeitstag in Anspruch nehmender Vorgang, bei dem sowohl die Zentrale in Dielmissen als auch jeweils ein Wasserwerk und eine Kläranlage genauestens unter die Lupe genommen werden.   

„Der QM-Ordner ist unsere Bibel“, gibt sich Andreas Klabunde, zuständige technische Abwasserfachkraft auf der Kläranlage Bodenwerder, gelassen. Aber wie das mit der Bibel so ist, es gibt immer jemanden, der sie besser kennt und einem das auch beweist. Waren die sichtbar und griffbereit auszuhängenden Grenzwertvorgaben zur Einleiteverordnung noch da auffindbar, wo sie hingehören, im Labor nämlich, ist die willkürlich von Günther Reimers abgefragte Beschreibung einer Messabweichung nicht da. Bei dem Fall handelt es sich eigentlich um eine Positivabweichung, das heißt die gemessenen Werte des Abwassers waren besser als normalerweise. Aber für die Vollständigkeit der Dokumentation spielt das bei der Zertifizierung keine Rolle. Das Fehlen der Unterlage ist hochnotpeinlich, ausgerechnet die Stichprobe fehlt, obwohl doch alles andere vorhanden ist. Den Argusaugen des Prüfers entgeht anscheinend nichts.

Schon beim Reinfahren in die Anlage hatte Reimers mit einem kurzen Blick überprüft, ob alle Umzäunungen und Absicherungen vorhanden sind. Denn „wenn Sie ins Belebungsbecken fallen, ist das das Ende“, konstatiert der QM-Auditor schulterzuckend. In Bayern sei das einem Mitarbeiter passiert, trotz anschließender medizinischer Versorgung  sei der Betroffene zwei Tage später an den Folgen des Unfalls erstickt. Es ist halt nicht ganz ungefährlich, was so übers heimische Klo ins Klärbecken rauscht! Deshalb müssen auch alle Fremdpersonen, wie bspw. die Anlage besuchende Schulklassen oder externe Dienstleister eingewiesen werden, mit entsprechender schriftlicher Protokollierung, um eine gewisse Rechtssicherheit zu gewährleisten. „Ist doch klar“, weiß auch Andreas Klabunde, „hat irgendwer Durchfall hinterher, gibt´s Probleme…“  Sicherheitsstandards, Grenzwertüberwachung und das geführte elektronische Betriebstagebuch sind im Großen und Ganzen aber vorbildlich, er habe da schon ganz andere Anlagen gesehen, bemerkt Günther Reimers zwischendurch.

Im Labor prüft der Auditor dann noch, ob Messgeräte und Waagen den Vorschriften entsprechen, regelmäßig kalibriert und von unabhängigen Instituten geeicht werden. Das alles muss ebenso ordentlich dokumentiert sein, wie auch die Ablaufdaten von Teststoffen keinesfalls überschritten sein dürfen. Während das alles noch vorzeigbar ist, findet der Prüfer im Vorratslager für die Küvetten mit den chemischen Prüfstoffen dann doch noch etwas: Während ein Stoff bei zu niedrigen Temperaturen im Kühlschrank lagert, liegt der andere, der eigentlich eben da rein gehört, bei Zimmertemperatur im Regal.    Immerhin findet sich nicht auch noch ein Joghurt im gleichen Schrank, das wäre vermutlich für die Zertifizierung ein K.o.-Kriterium.

Die Kläranlage Bodenwerder schneidet trotz einzelner gefundener Mängel insgesamt aber genauso hervorragend ab, wie die parallel von Ilona Sarnowski zusammen mit Wassermeister Frank Teiwes examinierte komplette Trinkwasserversorgungsanlage in Brevörde und am Ende auch die Zentrale in Dielmissen. Letztere überzeugt vor allem auch durch gut organisiertes Management in allen Bereichen, bei dem alle Mitarbeiter die Spielregeln kennen und danach handeln. Und auch, dass der WVIW eine nachhaltige strategische Ausrichtung hat, finden die Auditoren lobenswert. Nach einer aufwändigen, sehr detailverliebten Gesamtuntersuchung können die Auditoren am Ende nur wenige, schnell heilbare Mängel konstatieren und eine Zerfizierung auch in diesem Jahr empfehlen.     

Warum aber unterwirft sich der WVIW überhaupt dem ganzen akribischen Zertifzierungsprozess, wo man doch ansonsten lange suchen muss, um einen Ver- und Entsorger zu finden, der sich einer ähnlich harten Prozedur unterwirft. WVIW-Geschäftsführer Henning Stegie nennt dafür hauptsächlich historische Gründe. „Als ich die Leitung des Verbandes 1998 übernommen habe, gab es weder eine verlässliche Organisation noch einen verantwortlichen Ingenieur oder eine nachvollziehbare Dokumentation hier“, meint Stegie. Heute diene das Qualitätsmanagement vor allem auch als kontinuierlicher Verbesserungsprozess. „Wir stellen damit unsere gesamte Organisation ständig auf den Prüfstand und nutzen die Überprüfungen als Know How-Transfer und Selbsttraining“, ergänzt er. Das Qualitätsmanagement erfüllt also genau eben jene Funktion, die Auditorin Sarnowski für zentral so wichtig erachtet: Es ist ein Steuerungsinstrument, dass sowohl intern als auch nach außen dafür sorgt, dass beim Lebensmittel Wasser vor allem ein Gefühl vorherrscht: Das allumfassender Sicherheit.