WVIW repariert schadhafte Kanäle mit Inliner

Regenwasserkanal In Westerbrak wird mit hochmodernem Verfahren erneuert

Westerbrak. Es sind nur ein paar Meter, aber für die ist hochmoderne Technik im Einsatz: Bei der Regenwasserkanalerneuerung in Westerbrak setzt der Wasserverband Ithbörde/Weserbergland auf Inlinertechnik, bei der statt einer aufwändigen Kompletterneuerung einfach ein neues Schlauch in den schadhaften alten Betonkanal gesteckt wird. Wie sich flexibles, scheinbar alltägliches Kunststoffmaterial in ein festes und dickwandiges Rohr verwandelt wäre sehenswert, könnte man es denn untertage beobachten. Ein Beispiel für die starke Leistungsfähigkeit des Verbandes, der mit  innovativen Mitteln unermüdlich an der Erneuerung einer in die Jahre gekommenen  Infrastruktur arbeitet.        

Für den Regenwasserkanal in der Westerbraker Stichstraße war es allerhöchste Zeit, er war schon an der einen oder anderen Stelle undicht geworden.  Das jetzt in Angriff genommene 55 Meter lange Teilstück war allerdings für die Planer eine kniffligere Aufgabe. Denn zwischen den Grundstücken, wo der Kanal entlanggeht, führt keine richtige Straße und am Ende steht das Feuerwehrgerätehaus fast auf dem Kanal. „Die Alternative wäre gewesen, dass man das Ganze hier aufgräbt“, meint Phillip Scheunert vom begleitenden Hildesheimer Ingenieurbüro Richter und Partner beim Lokaltermin vor Ort. Das aber hätte nicht nur wegen des vier Meter tiefen alten Kanals erheblich länger gedauert, sondern wäre auch deutlich teurer gewesen und hätte massive Beeinträchtigungen für alle Anwohner bedeutet. Andreas Hübel, technischer Leiter des WVIW entschied sich deshalb für das wirtschaftlichere Inlinerverfahren, bei dem in den alten Kanal ein neues Rohr, ein sogenannter Inliner, verlegt wird. Für die Umsetzung des ganzen Unterfangens rückten deshalb letzte Woche nicht nur heimische Tiefbauunternehmen an, die die Voraussetzungen für den Inlinereinzug schafften, sondern auch die Kolonne eines Thüringer Spezialunternehmens für zwei Tage mit entsprechendem High-Tech-Gerät an.    

Beim Inliner besteht das äußere Trägermaterial aus einer Art flexiblem, dünnem Nadelfilz, der mit speziellen Polyesterharzen imprägniert ist. Um eine schnelle Aushärtung des Harzes zu vermeiden, muss dabei der vor Verarbeitung noch sehr dünn wirkende weiße Schlauch gut gekühlt, in Eis und Thermodecken eingepackt, direkt aus der Fabrik auf die Westerbraker Baustelle angeliefert werden. Mithilfe von über Schläuche in den Kanal geleitetem kalten Wasser aus dem Hydranten wird die Polyesterharz-Nadelfilz-Schlauchhülle in den alten Kanal hineingedrückt, sodass er sich durch den Wasserdruck praktisch wie ein Hemdsärmel bis zum Ende auskrempelt. Die komplett mit dem kalten Wasser gefüllte, ausgekrempelte Hülle kann dann anschließend über die an eine Heizung im mitgebrachten LKW angeschlossenen Zulaufschläuche auf eine Temperatur von etwa 60 Grad angewärmt werden. Dadurch härtet das Kunstharz über mehrere Stunden langsam aus. Um für den Einsatz in Westerbrak die gemäß Statik erforderlichen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden mussten von der ausführenden Firma bei der Ausführung vorgegebene Härteanweisungen präzise eingehalten werden. Nach dem Aushärtungsvorgang und der anschließenden Auskühlung mussten nur noch die Enden des neuen, 135mm dickwandigen Kanals mit der Säge an den Kanal angepasst werden und in dem im Durchmesser 80 cm breiten Inliner die Zuleitungen für die Hausanschlüsse eingefräst werden.

„Der Vorteil des Inlinerverfahrens ist in diesem Fall, dass auf Grund der tiefen und engen Gegebenheiten die Bauzeit kurz gehalten und das Risiko für die angrenzenden Grundstücke, insbesondere des Feuerwehrgerätehaus minimiert  werden kann“, erklärt Andreas Hübel. Damit ist die Maßnahme aber noch nicht abgeschlossen, denn im Frühjahr 2015 müssen dann noch in offener Bauweise einzelne Regenwassergrundstücksanschlüsse saniert werden.