Grüne Trübung kostet eine Million

Die Brevörder Quelle trübt sich bei extremem Starkregen ein
Der Hochbehälter wird momentan umgebaut

Trinkwasserversorgung von Grave und Brevörde muss komplett umgebaut werden

 

Brevörde (pd). Kleiner Schaden, große Auswirkung: Weil bei der Quelle, die die Orte Brevörde und Grave mit Trinkwasser versorgt, aufgrund von Veränderungen im Bodengefüge mehrfach im Jahr der Grenzwert wegen einer Trübung nach der Trinkwasserverordnung überschritten wurde, soll eine neue Versorgungsleitung aus Polle Trinkwasser für die beiden Orte an der Nordseite der Weserschleife liefern. Ein Problem, dessen Lösung eine satte Million Euro kostet.

 

Wenn gechlort wird, schrillen bei den besorgten Verbrauchern in der Region alle Alarmglocken: Haben wir doch eigentlich nicht nötig! Woran liegt das? Wer ist verantwortlich? Denn anders als in den Ballungsgebieten sind die Bewohner des Weserberglandes eine Trinkwasserversorgung ohne  keimtötende, aber geschmackseinschränkende chemische Zusätze gewöhnt. So auch in Brevörde, wo seit 2010 zunächst abgekocht und anschließend dann aus hygienischen Gründen dauergechlort werden musste.

 

Verantwortlich war allerdings niemand, die geologischen Formationen im Bereich der Quelle hatten sich schon seit einem guten Jahrzehnt so verändert, dass bei starken Regengüssen eingetrübtes Wasser im Trinkwasserbehälter des Ortes ankam. Die Eintrübung, so unschön sie sich an den blitzblanken Wasserhähnen der Brevörder allein schon ausnehmen mag, stellt an sich noch kein zwingendes Indiz für eine drohende Gefahr beim morgendlichen Zähneputzen dar. Da das Trinkwasser allerdings zwar normalerweise nicht mit Chlor, sondern mit UV-Strahlen entkeimt wird, konnte am Ende auf die chemische Keule nicht mehr verzichtet werden. Denn bei trübem Wasser versagt die UV-Technologie schlichtweg. Es bestand also Handlungsbedarf, zumal das Gesundheitsamt nur eine zeitlich begrenzte Abweichung zulassen konnte und aus Vorsorgegründen eine dauerhafte Lösung im Sinne der Trinkwasserversorgung einforderte. Die zusätzliche Versorgungsleitung von Polle entlang der Weser nach Brevörde zum Hochbehälter an den Serpentinen soll da nun Abhilfe schaffen. 

 

Eine ausschließliche Versorgung über die Quelle „Lühnsche Lieth“ birgt aber noch andere Gefahren in sich. Durch die Höhenunterschiede zwischen den einzelnen Wohngebieten in Brevörde selber, insbesondere im Bereich der Bergstraße und am Dornberg, „kann keine Sicherstellung des minimalen Versorgungsdrucks von 1,5 bar an jeder Stelle des Versorgungsgebietes bei einer Löschwasserentnahme von 48 m3/h an den Hydranten erfolgen“, vermerkt das Planungsgutachten des Hildesheimer Ingenieursbüros Pabsch & Partner. Auf gut Deutsch heißt das: Wenn´s brennt, wird´s brenzlig. Denn der nötige Löschwasserdruck für die Feuerwehr wäre dann nicht mehr gewährleistet. Von einem momentan kaum ausreichenden Wasserdruck, wenn mehrere Parteien im oberen Teil der Bergstraße gleichzeitig duschen, ganz zu schweigen.  

 

Naheliegend, dass mit dem Projekt einer zu realisierenden zusätzlichen Trinkwasserleitung auch die Druck- und Feuerschutzprobleme gleich auch noch mit angefasst werden sollten. Dementsprechend hat der WVIW in den letzten Monaten zunächst einen Umbau des Hochbehälters vorangetrieben und Platz für eine Druckerhöhungsanlage geschaffen. In den kommenden Wochen sollen nun die Leitungsverbindungen zum Ortsnetz und zur Desinfektionsanlage in der Meiborsser Straße angegangen werden. Das bedeutet zwar verkehrstechnische Einschränkungen durch verschiedene Straßenbaustellen im Ort, aber nach der vorrausichtlichen Fertigstellung Ende Oktober sind die Weichen dann für den geplanten Trinkwasserkanalbau nach Polle erfüllt.

 

Wenn alles klappt, wird im nächsten Jahr dann alles vollautomatisch gehen: Führt ein Starkregen an der Quelle „Lühnsche Lieth“ wieder zu Trübungen, verschließt die UV-Anlage elektronisch sofort den Zugang zum Ortsnetz, die Einwohner von Brevörde und Grave werden dann aus Polle mit Wasser versorgt. In den höheren Lagen Brevördes kann überdies dann zukünftig geduscht werden, was das Zeug hält. Die geplanten Maßnahmen erfordern Investitionen in Höhe von insgesamt rund einer Million Euro. Aber das Druckproblem hätte sich kaum anders lösen lassen. Und die Alternative für die Trübungen wäre nur die finanziell langfristig aufwändigere chemische Keule gewesen, erklärt der technische Leiter des WVIW, Andreas Hübel: „Eine chemische Filteranlage für die Trübstoffe wäre auf Dauer teurer, weil die laufenden Betriebskosten dafür beträchtlich sind“. Einen wichtigen Vorteil der Ergänzungsversorgung habe das neue Wasserversorgungskonzept darüber hinaus: „Gibt es einen kapitalen Rohrbruch, kann sofort umgeleitet werden“.                

 

 

p style=font-family:

nbsp;