04.10.2016 Klärschlammvererdungsanlage geht in Stadtoldendorf in Betrieb

Klärschlammvererdungsanlage des WVIW entwässert Klärschlamm mit 21.000 Schilfpflanzen

 

Stadtoldendorf. Der gleichzeitige symbolische Schilfpflanzen-Wurf in eines der Beete durch alle Beteiligten wollte nicht so ganz gelingen, aber der Funktionsfähigkeit der gesamten neuen Anlage wird das wohl kaum einen Abbruch tun: Ende letzter Woche ging in Stadtoldendorf offiziell die neue Klärschlammvererdungsanlage in Betrieb, die den anfallenden Klärschlamm auf gut 17.000 m² Fläche mithilfe von 21.000 Schilfpflanzen entwässert. Die Beetkonstruktion ist nach Eschershausen und Brevörde mittlerweile die dritte Klärschlammvererdungsanlage, mit der der Wasserverband Ithbörde/Weserbergland eine langfristig saubere und sichere Restentwässerung in seinen Kläranlagen bewerkstelligt.

 

Peter Bartnik, der neue Geschäftsführer des WVIW, hatte bei der Einweihung der drei Schilfbeete, die jährlich bis zu 9.000 m³ Klärschlamm entwässern, durchaus Grund zum Lächeln. Denn mit der Maßnahme konnte der Verband von der ersten Planung bis zur jetzigen Realisierung seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Mit einem Investitionsvolumen in Höhe von insgesamt 1,4 Millionen Euro sei die Klärschlammvererdungsanlage in jedem Fall eine größere Maßnahme für den WVIW, meinte Bartnik, „und was wir jetzt schon sagen können ist, dass sowohl Kostenrahmen als auch Bauzeit dabei voll eingehalten worden sind“.

 

Bereits 2013 hatte man beim WVIW eine solche Anlage ins Auge gefasst, weil absehbar war, dass die Lebenszeit der vorhandenen technischen Entwässerung in der Kläranlage sich ihrem Ende zuneigen würde. „Man musste sich einfach grundsätzlich Gedanken darüber machen, wie es mit der Klärschlammentsorgung in Stadtoldendorf weitergehen soll“, beschrieb Bartnik die Gründe, nach einem Weg für eine neue Klärschlammentwässerung zu suchen. Besonders schwierig gestaltete sich dabei, eine geeignete Fläche für solch ein Vererdungssystem zu finden. Umweltrechtliche und auch funktionelle Gründe schlossen schnell aus, dass die Klärschlammvererdung direkt neben der Kläranlage im Hooptal installiert werden konnte. Deshalb musste auf das Gebiet oberhalb des Tales an den Bahnschienen ausgewichen werden. Mit den Eigentümern des dafür notwendigen Grundstückes konnte schließlich ein langfristiger Pachtvertrag geschlossen werden, um auch eine entsprechende Nachhaltigkeit zu garantieren. „Das heißt schon, dass wir den Schlamm aus dem Tal hier hochpumpen müssen, aber das war aufgrund der geographischen Situation nicht anders möglich“, meinte Peter Bartnik dazu.

 

Wie aber funktioniert so ein System überhaupt, und was machen dabei die Pflanzen eigentlich? Peter Peters von der bauausführenden nordhessischen Firma EKO PLANT erklärte das bei der Einweihung genauer. „Das Ganze machen die Schilfpflanzen mithilfe von Sonne und Wind“, fasste Peters den Gesamtprozess schlicht zusammen. Speziell Schilf nämlich entzieht dem Schlamm das Wasser über seine Wurzeln, weil es das für sein eigenes Wachstum braucht und darüber hinaus auch über das Blattgrün verdunstet. Der von den Schilfblättern wiederum produzierte Sauerstoff gelangt auch in den Boden und bildet so eine ideale Voraussetzung für sauerstoffliebende Mikroorganismen, die den Schlamm biologisch weiter mineralisieren und kompostieren. Ein unter dem Beet befindliches Kies-Drainagesystem schließlich sorgt für eine zusätzliche Entwässerung. „Verdunstung, Mineralisierung und Filtratentwässerung arbeiten praktisch symbiotisch miteinander zusammen“, beschreibt Peters das Prinzip, „die den eingebrachten Schlamm zu 95 Prozent reduzieren, so dass nur alle acht bis zehn Jahre eine Entnahme nötig ist“. Der entwässerte Schlamm schließlich stellt für die Landwirte einen durchaus attraktiven Dünger dar. Ein

 

betriebskostenarmes, wenig personalaufwändiges Prinzip also insgesamt, dass darüber hinaus auch noch umweltfreundlich und langfristig rechtssicher ist.

 

Beim WVIW ist man sich übrigens sicher, dass die Stadtoldendorfer Klärschlammvererdungsanlage nicht die letzte im Verbandsgebiet bleiben wird. „In weiterer Planung ist bereits eine Anlage in Bodenwerder, die mittelfristig erstellt werden soll“, machte Verbandsvorsteher Bernd Kaussow bei der Einweihung deutlich.