Abwasserpipeline von Brevörde nach Holzminden geht ans Netz

Nach Rohrabnahme soll die Leitung zügig in Betrieb genommen werden

Holzminden/Brevörde. Die Abwasserentsorgungsleitung ist verlegt, der erste Bauabschnitt damit vollendet. In der letzten Woche prüften Fachleute die fertiggestellte Abwasserpipeline, die sowohl einen Teil der Abwässer aus den Haushalten der Altsamtgemeinde Polle als auch die bisher mit Tanklastzügen transportierten Abwässer des Glesser Frischkäseherstellers Petri Feinkost zur Holzmindener Kläranlage leiten soll. Nach der Abnahme der im Querschnitt 16 cm dicken Leitung bedarf es nur noch ein paar kleinerer Formalitäten am Übergabepunkt in Holzminden und das komplette Entsorgungssystem kann am Monatsende ans Netz.

Das heftig umstrittene, 2,9 Millionen Euro kostende Konzept des Abwasserverbandes Ithbörde/Weserbergland sieht vor, dass kurzfristig nicht nur Petris 700 Tanklasttouren pro Jahr zur Entsorgung der überschüssigen Abwässer von der Straße geholt werden, sondern langfristig auch eine tragfähige kostenminimierte Lösung für die Kläranlage Brevörde zu finden. Die nämlich ist im Jahr 2037 abgeschrieben und soll dann als Reaktion auf den demographischen Wandel als Rationalisierungsmaßnahme endgültig vom Netz gehen.   

Bis dahin soll die jetzt gelegte Leitung umfassende Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, die in der Brevörder Abwasserentsorgungsanlage wegen der bei Petri stetig gestiegenen Produktionsmenge von stark verschmutztem Abwässer nötig gewesen wären, mit erheblich geringeren Mitteln ersetzen. Die jetzt fertig gestellte Leitung wird zu etwa einem Drittel normale Abwässer und zu etwa zwei Dritteln die Entsorgungsmengen der Glesser Käserei transportieren und ist damit komplett kostenneutral für alle Entgeltzahler. Sie erwirtschaftet sich aus öffentlichen Zuschüssen, den Erträgen aus den zusätzlich von Petri eingeleiteten Produktionswassermengen und dem dafür erhobenen Preiszuschlag für die erhöhte Abwasserkonzentration.  

„Unser Entsorgungskonzept, dass ich im letzten Jahr während einer öffentlichen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung im April und auch während der Kreisausschusssitzung im Juni vorgestellt habe, ist alternativlos hinsichtlich einer strategisch nachhaltigen Abwasserentsorgung für die Region der Altsamtgemeinde Polle“, betont WVIW-Geschäftsführer Henning Stegie. Die Analyse von Investition und Folgekosten habe gezeigt, dass eine Transportleitung im Vergleich zu den Baukosten für die Erweiterung der Kläranlage Brevörde die wirtschaftlichere Lösung darstelle.

Die jetzige Transportleitung ist genau auf den bestehenden Kapazitätsbedarf ausgerichtet, weil eine größere Leitung mit der momentanen Abwassermenge unterfordert gewesen wäre und deshalb abwassertechnisch nicht zu betreiben gewesen wäre. Im zweiten Schritt 2037 will der WVIW dann eine weitere parallele Leitung verlegen, um die Kläranlage Brevörde endgültig abschalten zu können. Diese zweite Leitung spart dann nach derzeitigem Kostenstand gegenüber einer sonst notwendigen Erneuerung der Kläranlage rund drei Millionen Euro ein. Die dann vorzunehmende zweite Verrohrung bringt aber noch einen anderen infrastrukturellen Vorteil mit sich. Inspektion, technische Wartung und etwaige Reparaturen können ohne Unterbrechung dann bei laufendem Betrieb vorgenommen werden. Das komplette Konzept mit seinen erheblich kostenintensiven Alternativen ist übrigens schon seit letztem Juni auf der Internetseite des WVIW für jedermann noch einmal in Gänze einsehbar.

v.l. WVIW-Geschäftsführer Henning Stegie, Andreas Hübel (Technischer Leiter WVIW), Karsten Jost (Projektleiter Bauunternehmen Schröder), Marco Läufer (Vorarbeiter Schröder), Lars Priebe (Planungsbüro), Walter Standke (Untere Naturschutzbehörde), Johannes Stroop (Untere Wasserbehörde)